Österreich-Studien

Österreich-Studien

 
Herausgeber: Dr. Bombitz Attila, Dr. Csúri Károly
ISSN: 1789-1272
Erste Veröffentlichung: 2007

Bände

Österreichische Identität und Kultur. Herausgegeben von Károly Csúri und Markus Kóth. JATEPress Szeged / Praesens Verlag Wien: 2007.

Der erste Band Österreich-Studien Szeged beinhaltet die Vorträge, welche im Rahmen der Ringvorlesung Österreichische Identität und Kultur im März und April 2006 am Lehrstuhl für Österreichische Literatur und Kultur der Universität Szeged gehalten wurden. Ziel der Vorlesungsreihe war es, die schwer zu fassende österreichische Identität, die einen großen Teil ihres Selbstverständnisses aus dem Bereich der Kultur bezieht, und die damit verbundene Kultur und Kulturpolitik zu diskutieren und den Studenten einen Einblick in die Komplexität des Österreichertums zu geben. Der Beitrag von Ferdinand Mayrhofer-Grünbühel, Botschafter der Republik Österreich in Ungarn widmet sich einer allgemeinen, umfassenden und nicht auf ein Gebiet beschränkten Definition der österreichischen Identität vor allem nach 1945. Der österreichische Diplomat und Historiker Emil Brix widmet seine Beiträge ebenfalls der Historie, der Kulturpolitik sowie Mitteleuropa. Die historische Herausbildung dieses Bewusstseins ist das Thema des ersten Beitrages von Béla Rásky, der als Historiker die Eckpunkte des Identitätsbildungsprozesses erläutert und im zweiten Beitrag einen Blick auf die österreichische Landschaft wirft. Der Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums Wien Wilfried Seipel leitet mit seinen Beiträgen zur Kultur, zum Kulturleben und der Bedeutung der Museen für die Identität über. Der Germanist Wendelin Schmidt-Dengler schließlich erläutert den Umgang der österreichischen Autoren mit der Geschichte seit 1945 im literarischen Bereich.

Inhalt
Vorwort (Károly Csúri und Markus Kóth)
Markus Kóth: Österreich: Einleitende Anmerkungen zur Alpenrepublik und ihrer Identität
Ferdinand Mayrhofer-Grünbühel: Ernstes und Heiteres zur österreichischen Identität
Emil Brix: Österreichs mitteleuropäische Identität
Emil Brix: Volk begnadet für das Schöne – Anmerkungen zur österreichischen Kulturpolitik
Béla Rásky: Österreich – Ein Landstrich von dem die Geschichte Abschied genommen hat
Béla Rásky: Für den Österreicher gilt das Gesetz der Landschaft
Wilfried Seipel: Die österreichische Museumslandschaft im europäischen Umfeld
Wilfried Seipel: Museum – Identität - Österreich
Wendelin Schmidt-Dengler: Österreich vor 60 Jahren – der Krieg und die Folgen
Wendelin Schmidt-Dengler: Die Not der österreichischen Autoren mit der Geschichte

„Ihr Worte”. Ein Symposium zum Werk von Ingeborg Bachmann. Herausgegeben von Zsuzsa Bognár und Attila Bombitz. JATEPress Szeged / Praesens Verlag Wien: 2008.

Den Anlass zum Band „Ihr Worte” gab ein Symposium, veranstaltet zum Andenken an die vor achtzig Jahren geborene österreichische Dichterin Ingeborg Bachmann am 14. und 15. November 2006 in Piliscsaba. Bei dem Konzept der wissenschaftlichen Tagung wollte man insbesondere den institutionellen Charakter, den universitären Rahmen für das Bachmann-Jubiläum verwendbar machen. An Stelle einer traditionellen, streng fachwissenschaftlich ausgerichteten Konferenz, Mitarbeit und Mitfeiern mit den Fachexperten, Doktoranden, Studierenden und ungarischen Übersetzern von Ingeborg Bachmann. In den Jubiläumsband wurden sowohl die Ergebnisse des wissenschaftlichen Teils der Tagung, als auch die Erfahrungen der studentischen Werkstatt, als auch die Berichte über die ungarische Übersetzbarkeit von Bachmanns Lyrik aufgenommen. Der Titel des Symposiums, Ihr Worte , ist dementsprechend gleichzeitig Programm. Die Beiträge fokussieren auf die Texte, wobei das vielschichtige Œuvre in seiner Gesamtheit, von den ersten Gedichten, über die Hörspiele und Essays, bis hin zum Todesarten -Projekt und den späten lyrischen Novellen, behandelt wird. Die Überzeugung, dass eine hohe Intensität der Schreibweise die Eigenart des Bachmannschen Werks ausmacht, legt zunächst einen textimmanenten Zugang nahe. Den Spuren der Texte folgend werden aber auch die weitverzweigten intertextuellen Bezüge und die dem poetologischen Konzept zugrunde liegenden sprachphilosophischen Voraussetzungen bei Bachmann berücksichtigt.

Inhalt
Vorwort ( Zsuzsa Bognár und Attila Bombitz )
I. Ihr Worte. Suche nach dem Utopischen im Sprechen
Dana Pfeiferová: Die Gesellschaft als der „allergrößte Mordschauplatz“. Todesmetaphorik bei Ingeborg Bachmann
Hajnalka Nagy: Spiegel-Geschichten oder die Geburt einer festen Erzählerinstanz
Andrea Horváth: Raum für die Angst. Ingeborg Bachmanns Todesarten -Zyklus
Ágnes Gubicskó: Wer ist der Fremde? Noch einmal über Die Geheimnisse der Prinzessin von Kagran
Attila Bombitz: Eine österreichische Geschichte. Wege in und zu Ingeborg Bachmanns Erzählung Drei Wege zum See
Miklós Fenyves: „das Nächstliegende”. Zu Ingeborg Bachmanns Alles
Ildikó Hidas: Namen geben. Ingeborg Bachmanns und Elias Canettis Sprachauffassung
Eleonora Ringler-Pascu: Der gute Gott von Manhattan zwischen Hörspiel und Musiktheater
Zsuzsa Soproni: Musik und Dichtung im Spiegel einer Freundschaft. Ingeborg Bachmann und Hans Werner Henze
Zsuzsa Bognár: Ingeborg Bachmanns Radio-Essays
Patricia Broser: Auf der Suche nach dem Utopischen im lyrischen Sprechen. Das Frühwerk Ingeborg Bachmanns
Antonia Opitz: Lyrische Zwiegespräche
II. Simultan. Eine studentische Werkstatt
Mihály Arany: Die mögliche Unmöglichkeit in Ingeborg Bachmanns Prosaschreiben
Szilvia Gál: Über die Simultaneität der Sprache in der Erzählung Simultan von Ingeborg Bachmann
Dominika Kurali: Die Rolle des Opfermotivs in Ingeborg Bachmanns Roman Malina
Forgács Hajnalka: Ingeborg Bachmanns Enigma -Gedichte und das Barockrätsel des Nürnberger Dichterkreises
III. Eine Lyrikerin – zwei Übersetzer. Zweisprachige Leseproben
Lajos Adamik: Von der Idee zur Wirklichkeit
László Márton: Ein Frühling mit Ingeborg Bachmann

Kulturtransfer und kulturelle Identität. Budapest und Wien zwischen Historismus und Avantgarde. Herausgegeben von Károly Csúri, Zoltán Fónagy und Volker Munz. JATEPress Szeged / Praesens Verlag Wien: 2009.

Der Band Kulturtransfer und kulturelle Identität. Budapest und Wien zwischen Historismus und Avantgarde ist das Resultat eines internationalen Symposiums, das als wissenschaftliches Begleitprogramm zu der gemeinsamen Ausstellung des Collegium Hungaricum und des Kunsthistorischen Museums im Palais Harrach in Wien im Frühjahr 2003 konzipiert war. Die Ausstellung Zeit des Aufbruchs. Budapest und Wien zwischen Historismus und Avantgarde bot ein umfassendes Bild über die hochrangige Kunst und Kultur der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Dabei symbolisierten insbesondere Budapest und Wien die wechselseitigen heterogenen Beziehungen und differenzierten Transferprozesse zwischen Österreich und Ungarn. Wien war um 1900 nicht nur Hauptstadt der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, sondern auch ein wichtiges Kulturzentrum Europas. Budapest, die ungarische Hauptstadt an der Donau entwickelte sich ausgesprochen dynamisch und wollte Wien, das vornehme und attraktive Vorbild, nicht nur einholen, sondern möglichst auch überbieten. Zu diesen fieberhaften Bemühungen und Aufbruchsstimmungen lieferten Kunst und Kultur das vielleicht spektakulärste Terrain. Die Beiträge gliedern sich in die vier Teilbereiche Geistige Strömungen, Urbanisation, Kunst und Literatur. Dabei stehen unter anderen die folgenden Themen zur Diskussion: Die Moderne in Wien und Budapest, die Donaumonarchie als paradigmatischer Ort von Vielsprachigkeit, unterschiedliche kulturelle Transferprozesse aus aktueller Forschungsperspektive, Fragen zu Identitätskonstruktionen, die Rolle des öffentlichen Raumes und der Baukunst, ungarische Avangarde oder ungarische Ornamentik und Stimmungsmalerei in Wien.

Vorwort (Károly Csúri, Zoltán Fónagy und Volker Munz
I. Kulturtransfer - kulturelle Identität
Gábor Gyáni: Modernität, Modernismus und Identitätskrise: Budapest des Fin de siècle
György Mir : Politisches Denken in Ungarn in der Zeit des Dualismus
Helga Mitterbauer: Grenzüberschreitungen. Kulturelle Transfers als aktuelle Forschungsperspektive
Ilona Sármány-Parsons: Die Moderne in Wien und Budapest. Ein Vergleich. Prolegomena zu einem alten Thema
II. Geistige Strömungen
Johannes Feichtinger: Identitätskonstruktionen in Zentraleuropa. Sozial- und kulturwissenschaftliche Perspektiven
Vilmos Voig: Die Österreichisch-Ungarische Monarchie in Wort und Bild
Volker Munz: Stabilitätsverluste und die Unrettbarkeit des Ichs
Ferenc Erős: Bilder der Auflösung der Österreich-Ungarischen Monarchie im Spiegel des Freud-Ferenczi Briefwechsels
Csaba Pléh: Die Anfänge der akademischen Psychologie: Die unterschiedlichen Modelle der Einführung der modernen Psychologie in Ungarn
III. Literatur
István Fried: Österreichisch-ungarische Literaturbeziehungen an der Wende des 19. und 20. Jahrhunderts
Alice Bolterauer: Die zurückgenommene Moderne. Die literarische Selbstreflexion der Wiener Moderne
Pál Deréky: Eigenkultur – Fremdkultur. Zivilisationskritisch fundierte Selbstfindung in den literarischen Reisebeschreibungen der Aktivisten Robert Müller und Lajos Kassák
Zoltán Péter : Wirkung eines sieben Jahre dauernden Ortswechsels. Zur ungarischen Avantgarde in Wien aus feldtheoretischer Perspektive
Mihály Szajbély: Literatur und Journalistik. Die Texte von Karl Kraus und Aladár Schöplin als Quellen einer Mediengeschichte der Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Zoltán Kulcsár-Szabó: Zur Problematik des Rollengedichts
Márton Szilágy : Habsburg-Utopie und Habsburg-Mythos am Ende des 19. Jahrhunderts. Maurus Jókais ‚Der Roman des künftigen Jahrhunderts'
György Eisemann: Der Leser als Übersetzer. Deutschsprachige Elemente in Werken von Jókai und Mikszáth
IV. Urbanisation
Katharina Scherke: Sozialpsychologische und ästhetische Konsequenzen des großstädtischen Lebens: Georg Simmel und Arnold Hauser im Vergleich
József Sisa: Assimilation oder Emanzipation? Wien und die ungarische Baukunst im ausgehenden 19. Jahrhundert
Bernd Weiler: Zur Kritik von Pater Wilhelm Schmidt und seinen Schülern am sozialistischen Erziehungsideal des „Neuen Menschen“ oder Die „Objektivität“ ethnologischer und sozialpolitischer Erkenntnis
Rainer Leitner: Das Gymnasium der Wiener Moderne als kreatives urbanes Milieu
V. Kunst
Erno Marosi : Die vorbildliche Rolle der Wiener Schule in der Differenzierung der ungarischen Kunstgeschichte als Disziplin
Ulrich Tragatschnig: Das Selbstbild der Wiener Secession um 1900
Elfriede Wiltschnigg: Stimmungsmalerei und plein air in Wien
Barbara Boisits: Arnold Schönberg und die Tradition
Júlia Szabó: Die Zeitschrift MA und Wien

Brüchige Welten. Von Doderer bis Kehlmann. Einzelinterpretationen. Herausgegeben von Attila Bombitz. JATEPress Szeged / Praesens Verlag Wien: 2009.

Die österreichische Literatur ist stets als zeitloses Phänomen im ungarischen literarischen System (Literaturkritik und –wissenschaft, universitäre Forschung und Unterricht, verlegerisches Interesse und praktische Übersetzung) präsent. Der Band Brüchige Welten. Von Doderer bis Kehlmann versucht diesen verschiedenen Ebenen zu entsprechen. Es wird die Erzählvielfalt in der österreichischen Literatur seit 1945 in Form von Einzelinterpretationen: Autorenportraits und Werkanalysen von verschiedenen theoretischen Gesichtspunkten aus thematisiert. Das Argument ist international bekannt: Die Eigennamen der letzten sechzig Jahre österreichischer Literatur sind mittlerweile selbst zu Begriffen geworden. Bachmann, Bernhard, Handke, Jelinek u. a. bedeuten „etwas“, das in der eigenen Sprache verwurzelt ist, aber auch diesseits der überwundenen Sprachgrenzen wirken kann. Aber wie wirken sie, wenn sie auf dem Exerzierplatz der Auslandsgermanistik landen? Eine Antwort darauf liefert dieser repräsentative Band, der gleichzeitig als wissenschaftliche Plattform - für ungarische Germanisten, die sich mit österreichischer Literatur sowohl im wissenschaftlichen Bereich als auch in der universitären Unterrichtspraxis auseinandersetzen - verstanden werden kann. Gepaart nach Eigennanmen sind dies: Attila Bombitz und Edina Sándorfi zu Kanonisierungen und Thematisierungen in der österreichischen Literatur, Edit Király über Heimito von Doderer, Ildikó Hidas zu Elias Canetti, Hajnalka Nagy zu Ingeborg Bachmann, Edit Kovács und Miklós Fenyves zu Thomas Bernhard, Anita Czeglédy und Ágnes Nyitrai zu Peter Handke, Andrea Horváth zu Barbara Frischmuth, Gabriella Nádudvari und Szilvia Gál zu Elfriede Jelinek, Beatrix Kricsfalusi zu Marlene Streeruwitz, Attila Bombitz zu Robert Menasse, Mihály Arany zu Christoph Ransmayr und Márta Horváth zu Daniel Kehlmann.

Inhalt
Attila Bombitz: Kanon ohne Eigenschaften
Edina Sándorfi: Raumkonstellationen und Identitätswechsel oder das Mythische zweiter Potenz. Die Verortung des Mythos in der österreichischen Literatur
Edit Király: Heimito von Doderers Die Dämonen : Roman des Romans
Ildikó Hidas: Masse und Macht in der Blendung. Elias Canettis Nietzsche-Rezeption
Hajnalka Nagy: „Bezeichnend nicht, so auch nicht zeichenlos…“ Ingeborg Bachmanns Verdacht gegenüber dem Bedeutungswahn des Abendlandes
Edit Kovács: Holz oder Urteil fällen. Zu einem Roman von Thomas Bernhard
Miklós Fenyves: Grundsteine für eine Lektüre. Wahlverwandtes in Thomas Bernhards Ja
Anita Czeglédy: Heimkehr in das Schreiben. Peter Handkes Prosa zwischen der Heimkehr-Tetralogie und Mein Jahr in der Niemandsbucht
Ágnes Nyitrai: Das Spiel der permanenten Wiedergeburt. Peter Handke und das Drama
Andrea Horváth: Grenzgängerin und Vermittlerin. Barbara Frischmuth als ‚multikulturelle‘ Autorin
Gabriella Nádudvari: Das Jelinek-Design. Überlegungen zur Textstruktur des Romans von Elfriede Jelinek Die Ausgesperrten
Szilvia Gál: Die Wege und Irrwege der Sprache. Elfriede Jelineks mytendestruierende und ideologiekritische Verfahrensweise
Beatrix Kricsfalusi: Das Theater als Bedürfnisanstalt. Metadramatische und metatheatralische Selbstreflexion in Marlene Streeruwitz' New York. New York.
Attila Bombitz: Zu Robert Menasses „ Trilogie der Entgeisterung ”
Mihály Arany: „Die Wirklichkeit ist teilbar”. Wirklichkeit und Erkenntnis im Werk von Christoph Ransmayr
Márta Horváth: Der Alte und der Greis. Rationalitätskritik in Daniel Kehlmanns Die Vermessung der Welt

Edit Kovács: Richter und Zeuge. Figuren des Autors in Thomas Bernhards Prosa. Praesens Verlag Wien: 2009.

Bernhard als Weltenrichter, Bernhard als Zeuge seiner Zeit in seinen autobiographischen Schriften – das sind zweifelsohne gängige Vorstellungen der Rezeption, die jedoch durch genaueres Fragen ihre Selbstverständlichkeit verlieren. Worüber berichtet, worüber richtet der Autor, und: wer berichtigt, wer richtet ihn? Wovon zeugt der Autor und wer zeugt (für) ihn als Zeugen? Vorliegende Studie beschäftigt sich mit der Rhetorik des Richtens und der Bezeugung in Thomas Bernhards Prosa, mit den Figuren des Autors als Richter und Zeuge und deren epistemologischen Vorbedingungen und Konsequenzen. Andererseits, da sie Texte der Rezeption und der gerichtlichen Verhandlungen gegen Bernhard ebenfalls mit in die Untersuchungen einbezieht, kann sie die bislang kaum erforschte Verflechtung von literarischem, literaturkritischem oder -wissenschaftlichem und juridischem Diskurs, von juristischer und poetischer Fiktion freilegen.

Inhalt
1. Einleitung
1.1. Grundsätzliches
1.2. Recht und Justiz bei Bernhard - ein Überblick der Rezeption
2. Forensische Lektüren
3. Richter
3.1. Umrichter, Umgerichteter
3.2. Der entscheidende Augenblick
3.3. Gerecht/gerächt
3.4. Die Urteilsmaschine
4. Zeuge
4.1. Eine Zeugenaussage
4.2. Zeugung und Bezeugung
4.3. Biographische und juristische Fiktionen
5. Bibliographie

„Ist es eine Komödie? Ist es eine Tragödie?“ Ein Symposium zum Werk von Thomas Bernhard. Herausgegeben von Attila Bombitz und Martin Huber. Praesens Verlag Wien: 2010.

Thomas Bernhard gilt in Ungarn als der meistgelesene österreichische Autor. Die ungarische Germanistik findet großes Interesse an seinem Werk. Der Lehrstuhl für österreichische Literatur und Kultur der Universität Szeged veranstaltete in Zusammenarbeit mit der Thomas-Bernhard-Privatstiftung Gmunden und dem Österreichischen Kulturforum Budapest ein Symposium anlässlich seines 20. Todestages. Das Symposium fand am 15. und 16.03.2009 im Grand Café Szeged statt. Zu den eingeladenen Gästen gehörten international anerkannte Bernhard-Forscher: Hans Höller, Martin Huber, Manfred Mittermayer, die als Hauptreferenten auftraten und Franz-Werfel-Stipendiaten: Attila Bombitz (Szeged), Miklós Fenyves (Budapest), Chiheb Mehteli (Tunis), Eleonora Ringler-Pascu ( Timisoara ), Zdenek Pecka ( Ceské Budejovice ), Dana Pfeiferova ( Ceské Budejovice ), die sich unter Wendelin Schmidt-Dengler mit dem Werk Bernhards auf einem hohen und international anerkannten Niveau auseinandersetzten. So galt dieses Symposium auch dem Andenken von Univ. Prof. Dr. Schmidt-Dengler, dessen fachliche Ratschläge wesentlich zur Gestaltung des Symposiums beigetragen haben. Der Band „Ist es eine Komödie? Ist es eine Tragödie?“ Ein Symposium zum Werk von Thomas Bernhard enthält außer den erwähnten Autorinnen und Autoren Aufsätze von Edina Sándorfi (Pécs), Miklós Györffy (Budapest), Tymofij Havryliv (Lvov), Fatima Naqvi (New York) und Tomasz Waszak (Torun), die als unersetzbare Bernhard-Experten zum Konferenzband eingeladen worden waren.  

Inhalt
Zum Geleit (Lajos Adamik)
Begrüßungsworte (Peter Fabjan)
Hans Höller: „So österreichisch, gleichzeitig von der ganzen Welt durchdrungen.“ Überlegungen zum „Österreichischen“ bei Thomas Bernhard
Martin Huber, Wendelin Schmidt-Dengler: Umspringbilder. Zum Romanwerk Thomas Bernhards
Dana Pfeiferová: Was der Zersetzungsmaschine standhält. Positiv konnotierte Bilder im Prosawerk Thomas Bernhards
Attila Bombitz: Ins Kalkwerk hineingehen. Vorschläge für die Lektüre von Thomas Bernhards Das Kalkwerk
Zdenek Pecka: Gehen macht Spaß. Zur Tragik und Komik Thomas Bernhards am Exempel der Erzählung
Chiheb Mehtelli: Zum Prinzip der „aufeinander untereinanderliegenden sich fortwährend ineinanderschiebenden und verschiebenden Bilder“ in Thomas Bernhards Gehen . Bemerkungen zur Eingangssequenz
Miklós Fenyves: „sie glaubte, angerufen zu sein“. Zu Thomas Bernhards Beton
Miklós Györffy: Eine Nachlassliquidation. Über Thomas Bernhards Auslöschung
Manfred Mittermayer: Thomas Bernhard und die Salzburger Festspiele. Stationen einer wechselvollen Beziehung
Eleonora Ringler-Pascu: Thomas Bernhards Dramolette. Ein Verwirrspiel zwischen Wirklichkeit und Fiktion
Tymofiy Havryliv: Die Anwesenheit der abwesenden Figur. Thomas Bernhards Theaterstück Elisabeth II.
Fatima Naqvi: Bernhard und die Musilsche Tradition: ‚Andere Zustände' in Amras
Edina Sándorfi: „Lichtlos gelichtet“. Anamorphotische Spiralen einer Korrektur in Thomas Bernhards Texten
Tomasz Waszak: „Insbesondere gegen Marmelade überhaupt“. Idiosynkrasien in Thomas Bernhards später Prosa

In die Wege der Seele. Ein Symposium zum Werk von Arthur Schnitzler. Herausgegeben von Attila Bombitz und Károly Csúri. Praesens Verlag Wien: 2013.

Der vorliegende Band vereinigt die Beiträge eines Symposiums, das der Lehrstuhl für österreichische Literatur und Kultur der Universität Szeged anläßlich des 150. Geburtsjahres von Arthur Schnitzler veranstaltet hat. Es sollte dabei des herausragenden Autors der Wiener Moderne, des bekannten literarischen Forschers und Vermittlers eines feinen, aber komplexen, meist schwer durchschaubaren Wechselspiels von seelischen Tiefendimensionen und historisch-sozialen Vorgängen gedacht werden. Ungarische Germanisten von verschiedenen Universitäten haben sich zu einem Workshop am 19-20. November 2012 versammelt, um mittels ihrer Forschungsergebnisse ihre Achtung und Ehre dem in Ungarn bis heute beliebten und vielgelesenen österreichischen Schriftsteller und Dramatiker zu bezeigen. Dem Kreis heimischer Teilnehmer haben sich auch rumänische und österreichische Experten angeschlossen und mit ihren Vorträgen das Schnitzlersche Bild abgerundet.

Primäres Ziel des Symposiums war es, neben den bedeutenden und wohlbekannten (Fräulein Else , Liebelei , Das weite Land) diesmal die nur selten behandelten, aber ebenfalls wertvollen Werke wie etwa die Erzählungen Ich, Der Sekundant, Die Toten schweigen, Der Tod des Junggesellen, Der tote Gabriel, Das Schicksal des Freiherrn von Leisenbohg, Abschied oder Komödie der Verführung in den Mittelpunkt zu stellen. Mit dieser Geste soll zugleich die Aufmerksamkeit auf eine Forschungslücke in der Schnitzler-Philologie gelenkt werden. Vorgesehen war dabei eine möglichst textnahe Analyse, die allerdings nach verschiedenen Erkenntnisinteressen und von verschiedenen Gesichtspunkten aus vorgenommen werden konnte. Dementsprechend findet sich hier eine breite Palette von Interpretationsmethoden, von den entwicklungs- und kognitionspsychologischen Verfahren bis zu den narratologischen, streng strukturorientierten und textgenetischen Annäherungen. Gemeinsam ist allen Betrachtungsweisen wie auch ihren Kombinationen, dass sie jeweils wichtige und charakteristische Aspekte des Schnitzlerschen Werkes zu beleuchten suchen. In der Hoffnung, durch die neuen An- und Einsichten das Wissen des Lesers zu bereichern und ihn zu weiterem Studieren des berühmten Autors des Fin de siècle zu bewegen.

Inhalt
Vorwort (die Herausgeber)
Dietmar Goltschnigg: „Ein niedriger Kerl“ – „und sehr begabt“. Arthur Schnitzler und Karl Kraus
Magdolna Orosz: „Es ist wirklich und zugleich doch ein Traum”. Der Sekundant - eine andere Traumnovelle Arthur Schnitzlers
Károly Csúri: Das ‚Spiel' als narratives Konstruktionsprinzip. Über Arthur Schnitzlers Fräulein Else
Szilvia Ritz: „Wir wissen verdammt wenig von den Eintagsfliegen.” Grenzüberschreitung und Wahrnehmungsveränderung in Arthur Schnitzlers Novellette Ich
Zsuzsa Bognár: Bewältigungsstrategien kritischer Lebensereignisse in den Novellen. Die Toten schweigen und Der Tod des Junggesellen von Arthur Schnitzler
Eleonora Ringler-Pascu: Dramatische Liebes-Spiele bei Arthur Schnitzler
Zoltán Szendi: Das weite Land – „ein weites Feld“. Zur Dramaturgie der Schnitzlerschen Entlarvungspsychologie
Judit Szabó: „Dort auf dem Schiff fahre ich davon“. Scham als Metapher in Arthur Schnitzlers Komödie der Verführung
Márta Horváth: Lesen und Mentalisieren. Strukturelemente der Detektivgeschichte in Arthur Schnitzlers Erzählung Der tote Gabriel
Erzsébet Szabó: „Wie eine Gliederpuppe”. Über die doppelte Welt von Arthur Schnitzlers Novelle Das Schicksal des Freiherrn von Leisenbohg
Gerhard Hubmann: Schlussstriche. Arthur Schnitzlers Novelle Ein Abschied in der Handschrift und gedruckt

Bis zum Ende der Welt. Ein Symposium zum Werk von Christoph Ransmayr Hg. Attila Bombitz. Praesens Verlag Wien: 2015

Christoph Ransmayrs Schriftkunst eröffnet einen Dialog zwischen der europäischen Moderne und der postmodernen Weltkonstellation, in deren Imagination die übertriebene und in theoretischer Hinsicht schwer belastete Metanarration des Erzählens zu einem lesbaren und systematisierenden Erzählen wird. In seinem sprachorientierten Bildkonzept und gattungsfreien aber dichten Erzählen löst sich die traditionelle Spaltung von epischen, dramatischen und lyrischen Texten in Form von Dichtung auf. Fakten, fiktive Ereignisse und Figuren liefern in jenen Spielformen des Erzählens eine neue Erkenntnis der Wirklichkeit, und immer wiederkehrende Reflexionen erlebter und erfundener, naher und weiter zurückliegender Epochenprobleme kommen in ihnen zum Ausdruck. In einer modernen, postmodernen Art des Aufhebens der Metatextualität durch Fabulieren und durch gesprochene Sprache, in der Neuaufnahme alter und neuer Mythen wird die Welt in seinem Werk neu erzählt. Der Lehrstuhl für österreichische Literatur und Kultur der Universität Szeged veranstaltete ein internationales Symposium zum Werk von Christoph Ransmayr zu Ehren seines 60. Geburtstages vom 24. bis 26. März 2014 – mit der Zielsetzung, der sprachlichen Akribie und der thematischen Vielfalt des Œuvres nachgehen zu können. Der Band Bis zum Ende der Welt. Ein Symposium zum Werk von Christoph Ransmayr enthält überarbeitete und erweiterte Fassungen der in Szeged vorgetragenen bzw. für das Symposium konzipierten Beiträge von Mihály Arany, Zsuzsa Bognár, Attila Bombitz, Bernhard Fetz, Herwig Gottwald, Harald D. Gröller, Erika Hammer, Tymofiy Havryliv, Karl Katschthaler, Edit Király, Renate Langer, Helga Mitterbauer, Wolfgang Müller-Funk,Maria Naganowska, Fatima Naqvi, Dana Pfeiferová, Sławomir Piontek,Eleonora Ringler-Pascu, Szilvia Ritz, Iván Sándor, Edina Sándorfi, Vincenza Scuderi und Julianna Wernitzer.

 

Inhalt
Ansprachen
Attila Bombitz: Anwesenheitsliste. Ein Bericht über ein Symposium am Ende der Welt
Iván Sándor: Tomi, die eiserne Stadt
 
Schauen und Starren
Bernhard Fetz: Schauen und Starren. Zu einer Poetik des Sehens im Werk von Christoph Ransmayr
Dana Pfeiferová: Das Ende der Welt und der ,unverrückbare Ort‘ Christoph Ransmayrs Erzählen zwischen Dystopie, Utopie und Mystik
Vincenza Scuderi: Figuren der Verdoppelung im Werk von Christoph Ransmayr
Renate Langer: Probeweise Amen? Religiöse Motive im Werk von Christoph Ransmayr
 
Der Weg ins Archiv
Wolfgang Müller-Funk: Ästhetische Hybridität. Fakt und Fiktion in Christoph Ransmayrs Die Schrecken des Eises und der Finsternis
Mihály Arany: Christoph Ransmayrs Die Schrecken des Eises und der Finsternis im Kontext des historischen Reiseromans
Helga Mitterbauer: Der Weg ins Archiv. Narrative des kulturellen Gedächtnisses in Christoph Ransmayrs Die letzte Welt
Sławomir Piontek: Christoph Ransmayrs Morbus Kitahara und die (Un-)möglichkeit einer Erinnerungskultur
Erika Hammer: Wege zur weißen Spitze. Bergbesteigungen und dunkle Geheimnisse in Christoph Ransmayrs Der fliegende Berg und Thomas Glavinic Das größere Wunder
Edina Sándorfi: Das Vertönen der schrillen, schillernden Präsenz. Diametrische Zugänge zum Atlas eines ängstlichen Mannes von Christoph Ransmayr
 
Unteilbarkeit des Erzählens
Edit Király: Zeitfalten, Enklaven. Inszenierungen und Demaskierungen des Authentischen in Christoph Ransmayrs frühen Reportagen und Reden
Zsuzsa Bognár: Unteilbarkeit des Erzählens. Zur Literarizität poetologischer Texte von Christoph Ransmayr
Tymofiy Havryliv: Przemyśl. Ein mitteleuropäisches Lehrstück von Christoph Ransmayr
Harald D. Gröller: Gedanken zu Christoph Ransmayrs Auszug aus dem Hause Österreich. Unterwegs zur letzten Kaiserin Europas
Fatima Naqvi: Apokalyptic und Kosmologie. Der Ungeborene oder die Himmelsareale des Anselm Kiefer von Christoph Ransmayr
Szilvia Ritz: „Flucht-Linien eines Lebens“. Annäherungen an Christoph Ransmayrs Geständnisse eines Touristen
Karl Katschthaler: Musik als Supplement der Narration? Zum Verhältnis von Literatur und experimenteller Musik am Beispiel von Damen & Herren unter Wasser von Christoph Ransmayr und Franz Hautzinger
Eleonora Ringler-Pascu: Odysseus, ein Verbrecher? Zu Christoph Ransmayrs Dramatisierung des homerischen Heldenepos
 
Lauernde Welten
Herwig Gottwald: Christoph Ransmayrs Werke im Kontext der Literatur der achtziger und neunziger Jahre
Maria Naganowska: Zurück zum Urzustand. Christoph Ransmayrs Prosa. Forschungsperspektiven
Attila Bombitz: Christoph Ransmayrs letzte Welten. Mit einem ungarischen „Repertoire“
Julianna Wernitzer: Lauernde Welten. Christoph Ransmayr und die ungarische Gegenwartsprosa. Atlas einer ängstlichen Wissenschaftlerin
 

Csilla Mihály: Figuren und Figurenkonstellationen im Erzähltheater des Selbst. Zur Erklärungsfunktion der Wiederholungsstrukturen in Franz Kafkas mittlerem Erzählwerk. Praesens Verlag Wien: 2015

 

Die Arbeit setzt sich in systematischer Fortführung der Forschung mit dem zentralen Problem der Schwerverständlichkeit von Kafkas Erzählwerken auseinander. Sie geht von der Annahme aus, dass die Vieldeutigkeit und Widersprüchlichkeit der Texte entscheidend auf ihr wichtigstes Konstruktionsprinzip zurückzuführen sind. Es handelt sich dabei um die generierende Rolle des Protagonisten, der schrittweise, seinem eigenen ambivalenten Wesen entsprechend, alle weiteren Figuren und somit auch die gesamte Erzählwelt erzeugt. Obwohl die Figuren auf der unmittelbaren Handlungsebene ein selbstständiges Dasein führen, erweisen sie sich zugleich als Repräsentanzfiguren des jeweiligen Protagonisten. In der Studie wird ihre eigenartige Doppellexistenz erarbeitet, wobei der Akzent vor allem auf der Darstellung ihrer unterschwelligen Einheit liegt, die mit Hilfe einer meist verborgenen feinmaschigen Vernetzung von Wiederholungsstrukturen systematisch erschlossen wird. Begründen sollen diese These und die verwendete Methode die ausführlichen und textzentrierten Erklärungen von Kafkas Narrativen Das Urteil, In der Strafkolonie, Der Proceß und Ein Traum.

Inhalt

1. Einleitung
1.1.      Problemstellung und Zielsetzung        
1.2.      Theoretisch-methodologischer Hintergrund    
1.2.1.   Abriß einer Theorie literarischer Erklärung     
1.2.2.   Motivische und emblematische Wiederholungen
1.3.      Einführung in die Kafka-Forschung
 
2. Inszenierungen des Selbst: Das Urteil
2.1.      Zum Stand der Forschung
2.2.      Versuch einer Erklärung     
2.2.1.   Dynamik der Figuren
2.2.2.   Figurenkonstellationen        
2.2.2.1. Frieda – Georg – Freund
2.2.2.2. Freund – Georg – Vater
2.3.      Georgs Tod als vollendeter Wertewechsel
 
3. Fremdheit als ausgeblendete Identität: In der Strafkolonie
3.1.      Zum Stand der Forschung
3.2.      Versuch einer Erklärung     
3.2.1.   Der Reisende als „teilnehmender Beobachter“      
3.2.2.   Der ‚Figurenapparat‘: Verurteilter – Reisender – Offizier – Soldat         
3.2.3.   Schläfrigkeit und Hündisches: Verbindungsmotive der Figuren
3.2.4.   Rollenwechsel der Figuren
3.2.5.   Der Reisende als Fremder?
3.2.6.   Biblische Emblematik und die Strafkolonie
3.3.      Existenzielle Entscheidung: Abbruch der Expedition
 
4. Figurale Strukturen im Proceß
4.1.      Zum Stand der Forschung  
4.2.      Figuren und Figurenkonstellationen im Anfangs- und Schlusskapitel
4.3.      Figurenverflechtungen der Zwischenphasen
4.3.1.   Josef K. und der Onkel
4.3.2.   Advokat Huld
4.3.3.   Leni
4.3.4.   K. als Advokat
4.3.5.   Josef K. – Block – Advokat
4.4.      Der Prügler
4.5.      Kampf mit dem Direktor-Stellvertreter
4.6.      Josef K. als Figurenkomplex
 
5. K.s Traum-Geschichte. Kafkas Erzählprinzipien in Kurzform        
5.1.      Zum Stand der Forschung
5.2.      Ein Traum. Ein Erklärungsversuch
 
6. Kafkas narratives Theater
6.1.      Dramen- und Theaterelemente in Kafkas Erzählwerk
6.2.      Das Theatralische als Präsentationsform des narrativen Grundprinzips
Literaturverzeichnis
 

Károly Csúri: Poetische Konstruktionen. Methodologische Studien zu Werken der klassischen Moderne. Praesens Verlag Wien: 2016

Der Leser hält hier eine besondere Festschrift in der Hand: Die folgenden dreizehn Aufsätze sind nicht einer Person anlässlich eines runden Geburtstages von ihren KollegInnen, Studenten und Freunden gewidmet, sondern der anlässlich seines runden Geburtstags zu Ehrende präsentiert hier eine Auswahl aus seiner mehrere Jahrzehnte währenden universitären Laufbahn entstandenen Aufsätzen und gibt damit einen Einblick in die Entfaltung eines wissenschaftlichen Œuvres, das sich bei aller Vielfalt und Variation durch eine bemerkenswerte Beständigkeit auszeichnet. Diese erweist sich auch darin, dass der Geehrte– seit seinem Studium und während seiner ganzen Tätigkeit (mit Ausnahme der Zeit, die er als Direktor des Ungarischen Kulturinstituts in Wienarbeitete) an der Universität Szeged zur Entwicklung der Szegeder Germanistik wesentlich beigetragen hat und seine Untersuchungen durch eine besondere Kontinuität charakterisiert sind, indem das theoretische Interesse und die früh ausgeprägten theoretischen Grundlagen von Anfang an präsent und in allen Textanalysen verschiedener Autoren in unterschiedlicher Abwandlung nachzuweisen sind.
 
Inhalt
Vorwort (Magdolna Orosz)
 
Literarische Erklärung
Wiederholung. Kohärenzstiftung in poetologisch möglichen Welten
Árpád Bernáth – Károly Csúri: „Mögliche Welten“ unter literaturtheoretischem Aspekt
 
Erklärung lyrischer Texte
Ein Weg zu semantisch-poetischen Strukturen. Am Beispiel von Gottfried Benns Untergrundbahn
Einzelgedicht und zyklische Struktur. Erklärungstheoretische Überlegungen zum Teilzyklus Siebengesang des Todes aus Georg Trakls Sebastian im Traum
„Hier Evas Schatten…“. Über ein intertextuelles Beziehungssystem in Georg Trakls später Dichtung
Georg Heyms Die Stadt in den Wolken. Eine schemastrukturelle Annäherung
Sturm und Krieg. Anmerkungen zu Georg Heyms Der Krieg I
Árpád Bernáth – Károly Csúri: Die sozialistische Avantgarde und der Problemkomplex „Postmoderne“. Zu einem Gedicht von Lajos Kassák: A ló meghal a madarak kirepülnek [Das Pferd stirbt die Vögel fliegen aus]
 
Erklärung narrativer Texte
Jugendstil als narratives Konstruktionsprinzip. Über Hugo von Hofmannsthals Das Märchen der 672. Nacht
„Landschaft“ als Konstrukt. Bemerkungen zu Hugo von Hofmannsthals Reiseprosa und Früherzählungen mit besonderer Rücksicht auf ihren italienischen Bezug
Das „Spiel“ als narratives Konstruktionsprinzip. Über Arthur Schnitzlers Fräulein Else
Wiederholungsstrukturen – aus literarischer Sicht. Am Beispiel von Thomas Manns Tonio Kröger
Kontext, Struktur und Wertung. Gerrit Engelkes Erzählung: Die Festung
Quellennachweis

 

Szilvia Ritz: Die wachsenden Ringe des Lebens. Identitätskonstruktionen in der österreichischen Literatur. Wien: Praesens 2017

 

Das Buch enthält dreizehn Studien, die sich mit markanten Denkrichtungen und wichtigen Fragestellungen in der Literatur des 20. Jahrhunderts auseinandersetzen. Die Aufsätze haben bei aller Unterschiedlichkeit der Themenwahl einen gemeinsamen Nenner: Sie beschäftigen sich mit Kohärenzproblemen der individuellen Identität und deren Folgen für den literarischen oder den autobiographischen Text in ausgewählten Werken österreichischer Autoren bzw. Autoren, deren Herkunft oder Wirkungsstätte mit der österreichischen Kultur in engen Zusammenhang gebracht werden kann. Während Autobiographien die Bemühung sichtbar machen, das Ich letztlich als Ganzheit zu präsentieren, scheinen die untersuchten fiktionalen Texte gerade das Gegenteil beweisen zu wollen und stellen die Brüchigkeit der Identität ins Zentrum. Nicht nur die Romanfiguren sind auf der Suche nach ihrer Identität, auch die Texte suchen sich selbst, ihre Vorgänger oder gattungsgeschichtliche Orientierungspunkte.

Inhalt

Autobiographien

Identitätskonstruktion in den Autobiographien von Arthur Schnitzler und Stefan Zweig

Das Fremde im Eigenen. Assimilation und Zionismus bei Theodor Herzl, Max Nordau und Stefan Zweig

Vergangenheitskonstruktion als Gegenwartsbewältigung in Stefan Zweigs Autobiographie

„Jetzt vergehe ich vor Liebe – und im nächsten Moment empfinde ich nichts!“ Alma Mahler-Werfels Autobiographie Mein Leben

Die verschleppte Krise in Gregor von Rezzoris Blumen im Schnee

Fiktionale Texte / 1. Dynamische Identitäten

Denkwürdigkeiten eines Antisemiten. Kulturelle Differenzen am Schnittpunkt von Ost und West in Gregor von Rezzoris Roman

„Identitäten aus dem Menü“. Identität-Switching in Doron Rabinovicis Romanen Die Suche nach M. und Andernorts

„Wer hierherkam, befand sich nicht auf festem Boden.“ Möglichkeiten und Grenzen des Zusammenlebens in einem multikulturellen Milieu in Doron Rabinovicis Roman Ohnehin

Fiktionale Texte / 2. Grenzüberschreitungen

„Wir wissen verdammt wenig von den Eintagsfliegen.“ Grenzüberschreitung und Wahrnehmungsveränderung in Arthur Schnitzlers Novellette Ich

Radikale Erfahrungen des Fremden und des Eigenen in Christoph Ransmayrs Die Schrecken des Eises und der Finsternis

„Wissen war schmerzhaft.“ Modi der Erkenntnis in Raoul Schrotts Finis terrae und Daniel Kehlmanns Die Vermessung der Welt

Flucht-Linien eines Lebens“. Annäherungen an Christoph Ransmayrs Geständnisse eines Touristen

„Eine versuchte Annäherung, die nie gelingt…“.Reisen und Erzählen als Auflösung von Grenzen in Thomas Stangls Der einzige Ort

 

Ringstraßen. Kulturwissenschaftliche Annäherungen an die Stadtarchitektur von Wien, Budapest und Szeged. Hg. von Endre Hárs, Károly Kókai, Magdolna Orosz. Wien: Praesens 2017

 

Wien feierte 2015 den „schönsten Boulevard der Welt“. Im Rahmen des Jubiläums der Wiener Ringstraße wurden Ausstellungen eröffnet und kunstvoll gestaltete Ausstellungskataloge veröffentlicht, die die Geschichte der Ringstraße aus den verschiedensten Blickwinkeln erfassen. Zu diesen Neuzugängen trägt der vorliegende Band mit seiner besonderen Perspektive auf das Thema das Seine bei. Das Jubiläum bietet einen ausgezeichneten Anlass, die ehemaligen k. u. k. Städte Budapest und Szeged in Augenschein zu nehmen und ihre historische, künstlerische und literarische Topographie mit dem Blick auf die Kaiserstadt zusammenzuführen. Während Budapests Ringstraßen und Boulevards eine Kombination aus ‚spontaner Entwicklung‘ des 18. und 19. Jahrhunderts und bewusster Stadtgestaltung zwischen 1872 und 1906 sind, handelt es sich bei der Ringstraßenarchitektur von Szeged um das Ergebnis eines Großbauprojektes nach der Überflutungskatastrophe von 1879. Was die drei ‚Metropolen‘ verbindet, sind zeitlich parallel verlaufende urbanistische Großprojekte, die den Charakter der jeweiligen Städte grundlegend veränderten. Was sie trennt, sind die zahlreichen Unterschiede, die sich aus lokalen Besonderheiten ergeben. Die Stadtkarten lassen sich aufeinander projizieren, wodurch sich die Ansichten einerseits ergänzen bzw. einander beleuchten. Andererseits stellen sie befremdendes Doppelgängertum her.
Der auf Wien und seine k. u. k. monarchischen ‚Doppelungen‘ geworfene Blick beschränkt sich dabei gar nicht erst auf die Anfänge. So wie das Jubiläumsjahr der Wiener Ringstraße auch von der Gegenwart gehandelt hat, ermitteln die Autoren und Autorinnen des Bandes Konjunktive der Vergangenheit und Alternativen der Zukunft.
 
 

Inhalt

 

Endre Hárs / Károly Kókai / Magdolna Orosz: Zum Geleit

Endre Hárs: Urbane Topographien der k. u. k. Monarchie. Über die Praxis des Städtevergleichs

Dezső Ekler / Máté Tamáska: Ringstraßen im Vergleich. Varianten auf eine städtebauliche Idee in Wien, Budapest und Szeged

 

Die Gestaltung der Stadt

Julia Rüdiger: Die Wiener Ringstraße. Konkurrenz der Stile in einem disparaten Ensemble

Károly Kókai: Die Wiener Ringstraße in der kunsthistorischen Literatur

Wilfried Seipel: Das Kunsthistorische Museum in Wien. Ein Gesamtkunstwerk des Historismus und seine Vorgeschichte

Johannes Bouchain: Der alternative Ringstraßen-Plan von Adolf Loos. Ein Spaziergang durch ein anderes Wien

Richard Schweitzer: Die Wiener Ringstraße ... gibt es ein danach? Fragen zur Zukunft eines Prachtboulevards

 

Schreiben über die Stadt

Andrea Seidler: Wien ohne Pomp und Prunk: die Stadt als Lebensraum im späten 18. Jahrhundert. Zu den Großstadtschriften Josef Pezzls, Joachim Perinets und Joseph Richters

Benedek Tóth: Alte und neue Städte: Bauprojekte in Wien und Budapest im Feuilleton des 19. Jahrhunderts

Amália Kerekes / Katalin Teller: En passant. Zur minimalistischen Symbolik der Budapester Ringstraße 1916-1920

Endre Hárs: „Die obdachlose Stadt“. Der Wiederaufbau von Szeged in Kálmán Mikszáths Publizistik

 

Stadtliteratur

Detlef Haberland: Ferdinand von Saars poetischer Blick auf die Wiener Ringstraße – Gesellschaftskritik und Konservatismus

Wolfgang Müller-Funk: Melancholie eines Imperiums. Ferdinand von Saars Konstruktionen von „Neu-Wien“

Magdolna Orosz: Das Bild der Stadt in Gyula Krúdys Prosa

2017  SZTE Germanisztika   globbersthemes joomla templates