Die Geschichte des Instituts für Germanistik der Universität Szeged im Überblick

Der erste Lehrstuhl für Germanistik wurde in Buda (Ofen) 1784 ins Leben gerufen. Die weiteren Gründungen erfolgten erst etwa 200 Jahre später: 1872 in Kolozsvár (Klausenburg), 1912 in Debrecen und Pozsony (Preßburg) wurden Universitäten mit Lehrstühlen für Germanistik gegründet. Nach dem Friedensvertrag von Trianon wurde 1921 die "Franz-Joseph- Universität" von Kolozsvár nach Szeged, die "Elizabeth-Universität" 1923 von Pozsony nach Pécs (Fünfkirchen) verlegt.

Der erste Professor der Germanistik in Szeged war Henrik Schmidt (1921-1946) aus Klausenburg. Die Germanistikausbildung verstärkte auch das 1924 entstandene Indogermanische Institut. Später wurde das Institut "Institut für Germanische Philologie" genannt. Seit 1928 gibt es auch eine Hochschule in Szeged, die auf die Lehrerausbildung an der Universität eine besondere Wirkung hatte. Mit der Einführung der mit der Universität kooperierenden Hochschulausbildung erhöhte sich auch die Studentenzahl. Schmidt war an mehreren wissenschaftlichen Publikationen beteiligt, mit den Germanistischen Heften brachte er ein selbständiges wissenschaftliches Forum hervor.

1940 bekam Ungarn Klausenburg zurück, ein Teil der Universität zog dorthin zurück, der restliche Teil in Szeged nahm den Namen "Horthy-Miklós-Universität" an (der Name der Universität wurde mehrmals geändert, die wichtigsten: ab 1962 Attila-József-Universität, ab 2000 Universität Szeged).

Schmidt blieb in Szeged, und später wurde nach ihm vorläufig Jeno Koltay-Kastner (1946-1948) der Lehrstuhlinhaber. Ihm folgte Előd Halász (erste Periode: 1948-1949), der ein Vertreter der neueren Generation der ungarischen Germanistik war.

1949 wurde die Germanistik außer in Budapest eingestellt. Die russische Sprache war bevorzugt, die Studentenzahl und auch die Ausbildungszeit wurden gekürzt, die Forschung wurde von der Lehre getrennt. 1950 wurde der Lehrstuhl für Germanistik auch in Szeged geschlossen und Elod Halász versetzt. Als Literaturwissenschaftler bekam er vom Verlag der Ungarischen Akademie der Wissenschaften die Aufgabe, ein neues deutsch-ungarisches und ungarisch-deutsches Universalwörterbuch herauszugeben (das Erscheinungjahr des deutsch-ungarischen Teils: 1952 bzw. völlig neu bearbeitete Auflage: 1967; das des ungarisch-deutschen Teils: 1957).

Nach 1956 bekam die Szegeder Germanistik eine besondere Rolle. Előd Halász reorganisierte den Lehrstuhl 1957, der unter dem Namen Institut der Germanischen Sprachen und Literaturen weiterarbeitete. Auch als Dekan (1957-1960 und 1965-1969) der Philosophischen Fakultät tat er viel für die Verstärkung der modernen philologischen Ausbildung. 1970 wurde das Institut in zwei Teile aufgeteilt: der eine gehörte zu der englischen Sprache, und der andere wurde weiterhin von Halász unter dem Namen "Lehrstuhl für Deutsche Sprache und Literatur" geleitet.

Unter der Leitung von Zoltán Kanyó wurde 1978 eine literaturtheoretische Forschungsgruppe gegründet. Die Forschungsbereiche dieser Gruppe umfassten die Wissenschaftstheorie (Zoltán Kanyó, András Kertész); Textlinguistik (Zoltán Kanyó, Piroska Kocsány); Fiktionalität (Árpád Bernáth, Zoltán Kanyó); Interpretationstheorie (Árpád Bernáth, Gábor Bonyhai, Károly Csúri) und andere ähnliche Themen, die auch die Humboldt-Stiftung anerkannte und förderte. Aktive Kontakte wurde mit den Kollegen im In- und Ausland (z. B. die Universität-Gesamthochschule Siegen, die Universität Göttingen) gepflegt. Das wichtigste Organ für die wissenschaftliche Arbeit der Forschungsgruppe ist die seit 1980 in mehreren Sprachen erscheinende Zeitschrift Studia poetica.

1984 wurde Miklós Salyámosy der Lehrstuhlinhaber. Ihm folgte 1987 Károly Csúri. Inzwischen wurde die Reihe Acta Germanica herausgegeben, in der deutsche linguistische und literarische / literaturwissenschaftliche Studien erschienen und erscheinen.

Das immer größer werdende Interesse an der deutschen Sprache zeigt auch die Explosion der Schüler und Studentenzahl nach 1989.

1990 wurde Péter Bassola der Leiter des Lehrstuhls. Das Interesse an der österreichischen Literatur und Kultur führte zu immer engeren Beziehungen und zu einer kooperativen Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Außenministerium. Die erste Österreich-Bibliothek an einer ungarischen Universität wird 1991 in Szeged errichtet. 1993 wurde der Lehrstuhl in drei Richtungen, die auch heute relevant sind, spezialisiert: Lehrstuhl für die germanistische Linguistik (Lehrstuhlinhaber Péter Bassola) Lehrstuhl für die deutsche Literaturwissenschaft (Lehrstuhlinhaber: Árpád Bernáth) und Lehrstuhl für österreichische Literatur und Kultur (Lehrstuhlinhaber Károly Csúri). Die Lehrstühle wurden als Institut für Germanische Philologie zusammengefasst.

Lehrstuhlinhaber des Instituts für Germanistik in Szeged:

Henrik Schmidt (1921-1946)
Jenő Koltay-Kastner (1946-1948)
Előd Halász (1948-1949)
Előd Halász (1956-1983)
Miklós Salyámosy (1984-1987)
Károly Csúri (1987-1991)
Péter Bassola (1991-1993)
Árpád Bernáth (1993-2005)
Géza Horváth (2005-2013)
Endre Hárs (2013-2016)
Tünde Katona (2016-)

Zusammengestellt von Mihály Arany nach den folgenden Texten : Bernáth, Árpád: Beiträge zur Geschichte der Germanistik und der Literaturtheorie in Ungarn. Das Wechselspiel zwischen Zentrum und Peripherie. Die Universitäten von Pécs, Debrecen, Szeged und die ungarische Germanistik. In: Bernáth, Árpád: Sprachliche Kunstwerke als Repräsentationen von möglichen Welten. Acta Germanica 3 . Szeged: Grimm Verlag, 2004, S. 411-440. bzw. Bernáth, Árpád: Idegen nyelvi modern filológia. In: A Szegedi Tudományegyetem múltja és jelene 1921-1998. Szeged: SZTE, 1999, S. 138-156.

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